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Antworten von Hans-Werner Naujoks (parteilos) auf unsere Wahlprüfsteine
Kandidat für das Amt des Bürgermeisters von Bad Lauchstädt
Hans-Werner Naujoks tritt als parteiloser Kandidat zur Wahl für das Amt des Bürgermeisters an. Lesen Sie hier seine Antworten auf unsere Wahlprüfsteine:

Tourismusförderung

In der deutschen Theaterlandschaft ist eine historisch bedeutsame Spielstätte wie das Goethe-Theater etwas sehr Besonderes. Seit 1990 haben sich die Historischen Kuranlagen mit dem Theater zu einem kulturellem und touristischen Magneten entwickelt. Es entstanden in erheblichem Maße direkt und indirekt Arbeitsplätze.

Und doch wurden ökonomische Potenziale nicht genutzt! Eine noch bessere Entwicklung verhindern die Probleme mit dem motorisierten Verkehr zwischen Theater und Kurpark, die mangelnde politische Begleitung touristischer Projekte und die fehlende Unterbindung kontraproduktiver Tätigkeiten anderer Akteure.

Welche Maßnahmen wollen Sie als Bürgermeister ergreifen, um dies zu ändern?

Der motorisierte Verkehr ist und wird wohl noch lange ein leidiges Thema bleiben. Nichts desto Trotz ist der Kampf aufzunehmen. Besonders störend ist der Verkehr natürlich während der Vorstellungen. Motorgeräusche gelangen in der Zuschauerraum des Theaters noch mit unangenehmer Lautstärke. Auch wirkt er störend in den Pause, bzw. vor und nach der Vorstellung, wenn die Besucher die Strasse überqueren müssen. Die Bürgerinitiative Lindenstrasse, die sich 2001 durch mich gegründet hatte, hatte in ihrem Programm auch die Verringerung des motorisierten Strassenverkehrs, durch Verringerung der Strassenbreite und Beibehaltung des alten Strassenmittenverlaufs. Damit wäre die Fällung der 8 alten Eichen und der 1 Linde (entgegen Baumgutachten waren sie nicht krank – Fotos bei Fällaktion liegen vor) nicht nötig gewesen, der Verkehr wäre zwangsläufig reduziert und die Fahrzeuggeschwindigkeiten wären ebenfalls zwangsläufig niedriger gewesen, ohne eine Schilderwald aufstellen zu müssen. Außerdem hatte die Initiative vorgeschlagen, hier lieber einen Fahrradweg noch zu installieren. Schreiben der Initiative an alle Parteien, Kreisverbände, Umweltamt, Umweltbund und Naturschutz, BÜNDNIS 90/DIE GÜNEN blieben wirkungslos. Wie das immer so ist – keine Zuständigkeiten, alles gesetzeskonform usw.

Weiterhin wäre eine Reduzierung des Verkehrs durchaus möglich gewesen, wenn eine Anbindung der Autobahn an der Sandstrasse nach Teutschenthal erfolgt wäre, anstatt der jetzigen Anbindung Bal Lauchstädt. Mein bestreben ist es zu mindest, den Schwerlastverkehr aus Bad Lauchstädt fern zu halten. Schlecht steht es in dieser Beziehung für die Schafstädter. Keine Ortsumgehung, Anschluss an Autobahn nur durch Ortsdurchfahrt über Bahnhof möglich ! Da habe ich auch keine Lösung mehr.

Und da stehen wir immer wieder vor dem gleichen Problem: Wenn Bauvorhaben zu kurzfristig geplant werden, keine Initiativen der Bewohner eingefordert werden, keine zukünftigen Belange beachtet und nur lokal anstatt für einen größeren Umkreis geplant wird.

Ich werde mich aber dafür einzusetzen, dass die Durchfahrt für den LKW-Verkehr durch Bad Lauchstädt für immer gesperrt wird.


Öffenlicher Personennahverkehr

Seit einigen Monaten steht zu unserer Freude fest, dass die Bahnverbindung Merseburg-Bad Lauchstädt-Schafstädt erhalten bleibt. Weil die Bestandsgarantie für die genannte Strecke auf nur zwei Jahre befristet ist und täglich nur 50 Fahrgäste fehlen, um die Anzahl an Fahrgästen zu erreichen, die die Bahn zum weiteren Erhalt der Strecke als notwendig ansieht, sind wir genötigt, die kurze Zeit von zwei Jahren zu nutzen. Es muss erreicht werden, dass die Bahn stärker frequentiert wird! In Zusammenarbeit mit BürgerInnen, die sich für den Erhalt der Strecke engagiert haben, wurden bisher die folgenden Vorschläge erarbeitet:

  • Verkauf von Fahrkarten in Geschäften des Einzelhandels, da viele ältere BürgerInnen nicht in der Lage sind, Automaten zu nutzen.
  • Eingliederung der neuen Einheitsgemeinde Bad Lauchstädt in die Tarifzone 233 des MDV (gemeinsam mit Merseburg).
  • Einrichtung einer Bahnhaltestelle am Klinikum Merseburg.
  • Abstimmung der Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Busstrecke Bad Lauchstädt- Halle mit denen der Bahn.
  • Einführung von Bonus- und Kombiprogrammen für ÖPNV-NutzerInnen bei kulturellen und touristischen Angeboten. Dies könnte z.B. in Bad Lauchstädt bei den Händelfestspielen, beim Brunnenfest, beim Christkind’l- Markt Verkehrs- und Parkprobleme lösen.
  • Ausweitung des Geiseltalwegweisersystems auf die gesamte Einheitsgemeinde Bad Lauchstädt, um die Bahn für den Fahrradtourismus attraktiver zu machen

  • Wie stehen Sie zu diesen Vorschlägen und in welcher Art und Weise würden Sie diesbezüglich Ihre zukünftige Position als BürgermeisterIn nutzen?

    Die Erhaltung der Bahnverbindung Merseburg-Bad Lauchstädt für zunächst 2 Jahre ist ein großer Erfolg. Ich, als alter Eisenbahner, kann nur meine Unterstützung zusagen, um sie auch weiter zu erhalten. Kein Transportmittel ist so umweltverträglich wie die Bahn, bezogen auf die transportierten Personen.

    Die Bahn hat aber wesentliche Nachteile: zu lange Fahrtzeiten, ungenügende Anschlüsse in Merseburg zur sofortigen Weiterfahrt in Richtung Halle und Weißenfels, ungenügende Busanschlüsse, für ältere Menschen - Probleme beim Fahrkarten lösen, Treppen steigen (Bahnhof Merseburg), kein Zugbegleitpersonal usw. Überall wird gespart und das wirkt sich negativ auf die Leistungen und eine Akzeptanz der Bahn zum jetzigen Zeitpunkt aus. Hier ist das Land und der Betreiber gefordert. Es wäre viel zu schön, wenn man den Autoverkehr mit Hilfe der Bahn reduzieren könnte. Ihre vorgeschlagenen Maßnahmen könnte ich mit unterstützen, allein der Glaube fehlt mir. Solange die Menschen ausweichen können auf andere Transportmittel unter den Optionen, bequemer, schneller und kostengünstiger werden alle Bemühungen verpuffen. Wir können schon viel erreichen, wenn wir den Abbau der Gleise nach Stilllegung der Bahn verhindern können, da meines Erachtens die Bahn in 20-30 Jahren wieder eine Zukunft als öffentliches Transportmittel hat. Anders sehe es aus, könnte man die Bahn zu touristischen Zwecken mit historischen Zügen fahren lassen. Aber nur der Tourismus bringt es auch nicht!


    Alternative Energien

    Die Bekämpfung des durch die Menschheit verursachten Treibhauseffekts ist eine Aufgabe für alle. Den staatlichen Gliederungen kommt hier eine Vorbildfunktion zu.

    Wie stehen Sie zur Versorgung der städtischen Einrichtungen mit erneuerbaren Energien? Würden Sie Projekte von Bad Lauchstädter BürgerInnen zur Erzeugung dieser Energien aktiv unterstützen, z.B. durch die Zurverfügungstellung von Dächern öffentlicher Gebäude für Bürgersolaranlagen?

    Alternative Energien gewinnen immer mehr an Bedeutung, da der Strombedarf ständig steigt und der Treibhauseffekt sein übriges tut. Es gibt für den Menschen zwei lebenswichtige Elemente: Luft und Wasser. Alles andere wird durch sie beeinflusst. Ohne reine Luft und sauberes Wasser ist der Mensch nicht lebensfähig. Solarenergie, Windenergie sind heute schon so weit entwickelt, um eine große Anzahl an Haushalten mit Strom und Wärme zu versorgen. Die dezentrale Versorgung (Eigenversorgung) der Haushalte mit Strom und Warmwasser wird weiter zunehmen. Ich werde, unter den Voraussetzungen des Denkmalschutzes und des Ortsbildes (Strassenansicht), immer offen für Projekte der Strom und Warmwasserversorgung sein, auch für städtische Einrichtungen. Die Zurverfügungstellung von Dächern öffentlicher Gebäude für Bürgersolaranlagen sehe ich als kritisch an. Es geht hier speziell um Eigentumsrechte beider Parteien, die nach meiner Meinung nicht ausreichend gesichert werden können.

    Abwasser

    Im Großteil des Stadtgebietes ist eine zentrale Abwasserentsorgung alternativlos, im dörflichen Bereich oder bei Streusiedlungen im Außenbereich ist jedoch die dezentrale Variante in der Gesamtrechnung kostengünstiger und ökologisch vorteilhafter. Aufgrund fehlender Fördermittel durch das Land Sachsen- Anhalt wurde z.B. in Klobikau noch nicht mit dem Bau einer zentralen Entsorgungsanlage begonnen. Da aber Ende 2009 die Betriebsgenehmigungen für die bisherigen Klärgruben auslaufen, drängt die Zeit für die Hauseigentümer, da Planung und Bau von biologischen und dezentralen Kläranlagen auch Zeit brauchen.

    Wie positionieren Sie sich hier, auch in Hinsicht auf Ihr Mitbestimmungsrecht im Abwasserzweckverband?

    Die zentrale Abwasserentsorgung ist in großen Bereichen des Stadtgebietes realisiert worden. Es steht außer Frage, dass in unseren ländlichen Orten (Klobikau) durch fehlende Fördermittel (nicht im Dorferneuerungsprogramm des LSA) des Landes bis jetzt nach meiner Kenntnis noch nichts unternommen wurde, um hier den Bürgern eine Alternative zu den auslaufenden Betriebsgenehmigungen ihrer alten Kläranlagen bis Ende 2009 zu bieten. Die Zeit ist schon sehr weit fortgeschritten. Es ist ein Zeitproblem so oder so, das heißt, ob Anschluss an zentrale oder dezentrale Abwasserversorgung. Ich muss gestehen, ich habe hier zur Zeit noch nicht den richtigen Einblick, um definitive Antworten zu geben. Da fehlt mir noch das Wissen. Aber eine meiner ersten Amtshandlungen wird auf alle Fälle der Aufgriff der Angelegenheit meinerseits und mein Engagement in Bezug auf Erkenntniss und Beginn des Vorhabens sein.

    Feuerwehren

    Die Freiwilligen Feuerwehren unserer Ortschaften sind mit Abstand die wichtigsten von den BürgerInnen organisierten Vereinigungen. Sie sind unser Rückgrat bei der Gefahrenabwehr, sei es z.B. bei Feuer oder den periodisch wiederkehrenden Hochwassern. Speziell an Werktagen gibt es jedoch erhebliche Probleme, Einsätze personell abzusichern. Nicht alle Depots entsprechen heutigen Anforderungen. Die Freiwilligen Feuerwehren leisten eine exzellente Kinder- und Jugendarbeit.

    Skizzieren Sie bitte Ihre Herangehensweise in diesem Politikfeld!

    Keine organisierte Vereinigung hat sich im Laufe seines Bestehens so bewährt wie die Feuerwehr. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren leisten unter Einsatz manchmal ihres persönlichen Lebens herausragende und übermenschliche Einsätze. Die nach der Wende sich verändernden Bedingungen haben auch den Aufgabenbereich der Feuerwehren erweitern lassen. So kommt neben dem Feuer- und Katastrophenschutz immer mehr der Personen- und Unfallschutz hinzu. Speziell durch die Autobahn ist der Personen- bzw. Lebensschutz enorm wichtig geworden. Diese veränderten Bedingungen haben auch zur Aufrüstung der Wehren mit neuer Technik und neuen Gebäuden geführt. Leider konnten noch nicht alle Depots nach heutigen Anforderungen ausgerüstet werden.

    Ein weiteres Defizit ist die personelle Kapazität für Einsätze der Wehren an Wochentagen. Dem kann nur vorgebeugt werden, wenn es die Stadt versteht, wenn möglich bevorzugt Wehrleuten Einsatzmöglichkeiten in der Stadtverwaltung zu verschaffen. Es muss uns gelingen, die Abwanderung von Wehrmännern und –Frauen aus unserem Einzugsgebiet zu begrenzen. Für Katastrophenschutzeinsätze regelt der Gesetzgeber durch entsprechende Anordnungen die personelle Freistellung von der Arbeit.

    Wichtig ist mir noch in dieser Hinsicht darauf hinzuweisen, dass den Wehrleuten nach personenbergenden Einsätzen auch schnelle psychische Hilfe zu teil wird, um psychische Streßbelastungen abzubauen.

    Die Freiwilligen Feuerwehren sind ein wichtiger Partner der Stadt bei der Kinder- und Jugendarbeit. Erstens fördern Sie damit ihren Nachwuchs und zweitens erziehen sie unsere Kinder und Jugendlichen zu leistungsbereiten und -willigen Menschen. Die Stadt wird auch weiterhin die Wehren und ihre Mitglieder unterstützen und fördern, in finanzieller wie auch in ideeller Hinsicht. Dazu werde ich auch Beziehung zum Kreiswehrleiter und Bezirkswehrleiter aufnehmen, um weitere Möglichkeiten von Personal- und Ressourcennutzung zu erörtern.


    BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN | Kreisverband Saalekreis | kv.saalekreis@gruene.de